Das Urteil oder Der Irrtum des Kratylos
Ein philosophischer Gegenwartsroman über Sprache, Recht und die Macht der Benennung.


Ein Urteil kann rechtlich richtig sein – und dennoch die Wirklichkeit verfehlen.
Judith Berger, 52, Richterin in Dresden, hat ihr Leben auf Präzision, Ordnung und die Verlässlichkeit von Begriffen gebaut. Jonas Feldmann, Philosophiestudent und Sohn eines von ihr verurteilten Arztes, beschäftigt sich mit Platons Kratylos: Treffen Namen die Dinge – oder gewinnen sie Macht über sie?
Als Judith und Jonas einander näherkommen, ohne zunächst die ganze Verbindung zwischen ihnen zu kennen, geraten private Leidenschaft und institutionelle Ordnung ineinander. Der Fall des Arztes Martin Feldmann zwingt Judith schließlich, nicht nur ein Urteil, sondern auch die Sprache zu prüfen, mit der Recht und Gesellschaft Menschen beschreiben.
Vor dem Hintergrund Dresdens verbindet der Roman Beziehungsgeschichte, Justizroman und Sprachphilosophie zu einer Gegenwartsparabel über Recht und Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung – und über die Macht, die darin liegt, einer Sache einen Namen zu geben.
Literatur, Philosophie und Gegenwart.
Literarisch
Judith, Jonas, Robert und Martin Feldmann tragen den Roman als Figuren mit eigenen Verletzungen, Loyalitäten und Entscheidungen.
Philosophisch
Die Kratylos-Frage wird zur Methode: Welche Operation vollziehen Begriffe, bevor über die Sache selbst gestritten wird?
Gegenwärtig
Justiz, Universität, deutsche Erinnerung, Corona-Nachwirkungen und gesellschaftliche Polarisierung bilden den Konfliktraum.
Stadt, Geschichte und Ordnung werden selbst zum Motiv.
Elbe, Rosengarten, Gerichte, Universität, Fürstenzug und Kulturpalast sind keine bloße Kulisse. Sie bilden ein Motivsystem, in dem politische und persönliche Geschichte, Monument und Erinnerung, Benennung und Deutung aufeinander treffen.